Erinnerungsarbeit lebt davon, dass sie nicht abreißt. Die AG Gedenken sorgt seit Jahren dafür, dass die Geschichte des Nationalsozialismus in Bergedorf präsent bleibt. Veranstaltungen, Ausstellungen und Gesprächen richten sich an ein breites Publikum und finden immer wieder neue Zugänge zu einem Thema, das nie an Bedeutung verliert. Das vorliegende Programmheft zeigt einmal mehr, wie vielfältig dieses Engagement ist.
Ein Höhepunkt des diesjährigen Programms ist die Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Sie erzählt die Lebens-geschichten von Frauen, die sich unter Lebensgefahr gegen das NS-Regime gestellt haben. Frauen aus unterschiedlichen sozialen und weltanschaulichen Hintergründen, von denen viele bis heute kaum bekannt sind. Erst 2019 hat der Deutsche Bundestag ihren Mut und ihre Leistungen ausdrücklich anerkannt; die Ausstellung macht sichtbar, was lange übersehen wurde.
Daneben hält das Programm der AG Gedenken auch in diesem Jahr wieder Raum für Erinnerung, Austausch und Auseinandersetzung offen, ganz im Sinne einer Erinnerungskultur, die vor Ort gelebt wird.
Ich danke allen, die sich in der AG Gedenken ehrenamtlich engagieren, für ihre Beharrlichkeit und ihren Einsatz, und wünsche allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern an den Wochen des Gedenkens anregende Begegnungen bei den vielfältigen Veranstaltungen.
Montag | 26. Oktober | 17.00 Uhr
Begegnungszentrum im Park | Gräpelweg 8 | 21029 Hamburg
Vernissage der Ausstellung: „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“
2019 hat der Deutsche Bundestag beschlossen, den Mut und die Leistungen der Frauen im Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur endlich zu würdigen.
Er hat die Stiftung Deutscher Widerstand beauftragt, das Thema zu erforschen.
Eins der Ergebnisse ist diese Ausstellung, die die AG Gedenken jetzt nach Bergedorf holt.
Im Zentrum stehen Lebensbilder von Widerstandskämpferinnen. Sie zeigen auf verschiedene Weise die gesamte soziale Breite und weltanschauliche Vielfalt des Widerstands und die verschiedenen Formen. Manche der Frauen sind bekannt, andere kann man hier neu entdecken.
Referentin: Alyn Šišić, Musik: Nele Nelle
Freitag | 23. Oktober | 19.00 Uhr
SerrahnEINS e. V. Zentrum für Kultur und Gesellschaft | Serrahnstraße 1 | 21029 Hamburg
20.000 Männer und Frauen, darunter 5.000 KZ-Häftlinge und sowjetische Kriegsgefangene, mussten im 2. Weltkrieg als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im VW-Werk für den deutschen Endsieg schuften. Sie kamen aus allen von den deutschen Truppen besetzten europäischen Nachbarländern, vor allem aber aus Polen und der Sowjetunion, vorrangig aus der Ukraine. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Stadt des KdF-Wagens waren mörderisch. 1944/45 ließen die Verantwortlichen bis 400 Neugeborene und Kleinkinder polnischer und ukrainischer Frauen in einem sogenannten „Kinderheim“ durch Hunger und katastrophal unhygienische Zustände sterben.
Mittwoch | 28. Oktober | 19.00 Uhr
SerrahnEINS e. V. Zentrum für Kultur und Gesellschaft
Serrahnstraße 1 | 21029 Hamburg
„Ein neuer Anfang und das alte Ziel“ lautete das Motto einer Verschwörer-Gruppe von Alt-Nazis, die Anfang der 50er Jahre versuchte, die junge deutsche Demokratie zu unterwandern. Hans-Peter de Lorent – Lehrer, früherer Bürgerschaftsabgeordneter der Grünen, Oberschulrat und Hauptseminarleiter am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung – hat in seinem Tatsachenroman „Goebbels’ Schatten. Die Naumann-Verschwörung“ die Entwicklung der Gruppe rund um Werner Naumann, Goebbels einstigem Stellvertreter, nachgezeichnet.
Dienstag | 03. November | 19.00 Uhr
SerrahnEINS e. V. Zentrum für Kultur und Gesellschaft
Serrahnstraße 1 | 21029 Hamburg
Das Frauen-KZ in Wandsbek
Anlässlich „80 Jahre Hamburger Curiohaus-Prozesse“ vor britischen Militärgerichten zu NS-Verbrechen erinnert Stefan Romey an das Außenlager des KZ Neuengamme in Wandsbek, das 1944 mitten in Wandsbek für die Firma Dräger entstand.
Donnerstag | 05. November | 19.00 Uhr
SerrahnEINS e. V. Zentrum für Kultur und Gesellschaft
Serrahnstraße 1 | 21029 Hamburg
Steffi Wittenberg (1926-2015) musste 1935 als jüdisches Kind die Jahnschule (heutige Ida Ehre Schule) verlassen und wechselte auf die jüdische Mädchenschule (Israelitische Töchterschule). Inmitten des Naziterrors bot diese den Schülerinnen vormittags einen geschützten Raum. Gerade noch rechtzeitig erlaubte Uruguay Ende 1939 Steffi und ihrer Mutter die Einreise. Hier lernte Steffi ihren späteren ebenfalls jüdischen Ehemann Kurt kennen, der in Uruguay in der deutschen antifaschistischen Bewegung aktiv war. 1947/48 gingen sie nach Texas/ USA. Dort engagierten sie sich in der Bürgerrechtsbewegung gegen die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung. Ein daraufhin gegen beide geführtes Verfahren endete mit ihrer Ausweisung. So kehrte Steffi 1951 mit Kurt in ihre alte Heimatstadt Hamburg zurück.
Sonntag | 8. November | 12.00 Uhr
KZ-Gedenkstätte Neuengamme | Jean-Dolidier-Weg 75 | 21039 Hamburg
Zum Konzentrationslager Neuengamme und seinen vielen Geschichten gehören auch die der Zeugen Jehovas. Eine besondere Gruppe, die auch heute von vielen argwöhnisch betrachtet wird - und um die kein Weg vorbeiführt, wenn von Menschen, Mut und Widerstand erzählt werden soll. Das geschieht auf dem 90-minütigen Rundgang, der am Haupteingang der KZ-Gedenkstätte beginnt und im Plattenhaus bei Kaffee, Tee und der Möglichkeit zur Diskussion endet.
Eintritt frei
Eine Veranstaltung von: Kirchliche Gedenkstättenarbeit Neuengamme
Donnerstag | 12. November | 19.30 Uhr
Haus brügge | Leuschnerstr. 86 | 21031 Hamburg
Das Programm bietet spannende Einblicke in das politische Kabarett der Weimarer Republik in Berlin. Es zeigt, auf welch unterschiedliche Weise Dichterinnen und Dichter sowie Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden und deren Bücher 1933 den Bücherverbrennungen zum Opfer fielen, mit ihren sprachlichen Mitteln gegen Militarismus und den aufkommenden Faschismus Stellung bezogen.
Freitag | 13. November | 19.00 – 21.00 Uhr
KörberHaus, Holzhude 1, 21029 Hamburg –
in den Räumen des Bezirksamts, Raum 213/214
In der letzten Zeit kam und kommt es immer wieder zu rechtsextremistischen Vorkommnissen mit teils strafrechtlichen Vorfällen im Bezirk Bergedorf. Eine Anfrage in der Hamburgischen Bürgerschaft hat ergeben, dass gerade hier bei uns eine Steigerung zu verzeichnen ist.
Das Bergedorfer Bündnis gegen Rechts (BBgR) lädt Politikerinnen und Politiker, der in der Bezirksversammlung vertretenen demokratischen Parteien, zu einer Podiumsdiskussion ein. Wir wollen erfahren, wie sie die rechtsextremistischen Vorkommnisse und Vorfälle einschätzen, welche Handlungsmöglichkeiten sie auf der politischen Ebene sehen um dem entgegenzuwirken und wie sie die Zivilgesellschaft mitnehmen wollen, um Mut gegen rechtsradikale Tendenzen auch in den Nachbarschaften zu stärken.
Gibt es dafür schon Ansätze in den Parteien? Welche Maßnahmen wurden schon ergriffen?
Sonntag | 15. November | 10.00 Uhr
Erlöserkirche Lohbrügge | Lohbrügger Kirchstr. 9 | 21031 Hamburg
Der Gottesdienst greift das Thema unserer Ausstellung „Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ auf, erzählt von einigen Frauen aus dem kirchlichen Umfeld, wer sie waren, warum und wie sie gehandelt haben.
Anhand des Bibeltextes 1.Petrus 5,8ff denken wir darüber nach, was diese Beispiele für uns heute bedeuten und was der Text uns mitgibt an Auftrag und Stärkung für unser Denken und Handeln in unserer Zeit .
Ein Teil der Ausstellung wird nach dem Gottesdienst in der Kirche gezeigt.
Im Anschluss ist Kirchencafe.
Eine Veranstaltung von: Pastorin Angelika Schmidt und Susanne Leiding-Edler, Kirchspiel Bergedorf und AG Gedenken
nach ihrer Rückkehr aus Moskau
Buchvorstellung und Vortrag
Dienstag | 17. November | 19.00 Uhr
SerrahnEINS e.V. Zentrum für Kultur und Gesellschaft | Serrahnstraße 1 | 21029 Hamburg
Martha Naujoks, (1903 bis 1998) war aktives Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes in Hamburg, heiratete 1926 Harry Naujoks. Ab 1933 im kommunistischen Widerstand Hamburgs, floh sie 1935 in die UdSSR. Sie überstand den großen stalinistischen Terror. 1945 Rückkehr nach Deutschland, wo sie ihren totgeglaubten Mann Harry wiedertraf. Bis 1950 Arbeit in westdeutschen kommunistischen Zeitungen.
Das Archiv Dreckmann öffnet seine Türen
Mittwoch | 18. November | 18.00 – 20.00 Uhr
Alfred-Dreckmann-Archiv im Gojenbergsmuseum | Gojenbergsweg 60u | 21029 Hamburg
Frauen im Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime spielen in der wissenschaftlichen Forschung nur eine stiefmütterliche Rolle. Oft unterstützten sie ihre Männer im Widerstand, indem sie gefährliche Botengänge übernahmen oder für die Familien Inhaftierter sammelten und sich selbst in Gefahr brachten. In diesen und anderen Rollen sind sie bislang kaum gewürdigt worden.
Wie sieht es mit diesem Thema bei uns in Bergedorf aus? Das ehrenamtliche Team vom Alfred-Dreckmann-Archiv hat sich auf die Suche nach Bergedorfer Frauen im Widerstand im Nachlass des ehemaligen Leiters des Bergedorfer Museums für Bergedorf und die Vierlande begeben und ist fündig geworden.
Donnerstag | 19. November | 19.00 Uhr
SerrahnEINS e. V. Zentrum für Kultur und Gesellschaft | Serrahnstraße 1 | 21029 Hamburg
Kai Degenhardt zählt zu den profiliertesten politischen Liedermachern deutscher Provenienz, der in seiner künstlerischen Arbeit eine klare antifaschistische Haltung einnimmt und dabei selbstverständlich auf das konkret Gesellschaftliche und die darin wirkenden Herrschaftsverhältnisse und die NS-Zeit Bezug nimmt. Er zeigt auf, dass ein Sich-Abfinden und -Einrichten in den von äußeren und inneren Zeitenwenden geprägten, dabei immer autoritärer, fremdenfeindlicher und brutaler sich ausformenden, deutschen Zuständen keine Option ist. In seinem aktuellen Programm wird Kai Degenhardt nicht nur Stücke des im Frühjahr erschienenen neuen Albums „Zwischen Tellerrand und Horizont“ spielen.
Freitag | 20. November | 18.30 Uhr
St. Petri und Pauli-Kirche | Bergedorfer Schloßstraße 5 | 21029 Hamburg
Zeit zum Innehalten: Das ist eine halbe Stunde am frühen Freitagabend, im Wechsel von Musik und Andacht. Im Mittelpunkt dieses Abends stehen Erinnerungen jüdischer Frauen aus Hamburg, die den Nationalsozialismus überlebt haben. Von ihnen lesen wir vor. Wie schauen diese Frauen zurück auf den Schrecken von damals? Welche Gedanken oder gar Botschaften haben sie für uns heute?
Freitag | 20. November | 20.00 Uhr
LOLA Kulturzentrum | Lohbrügger Landstr. 8 | 21031 Hamburg
Was uns die Vergangenheit schon lehrte, wird uns aktuell immer wieder gezeigt – Diktaturen und Kriege erzeugen Flucht. Die seit 2017 monatlich in der LOLA stattfindende Jam-Session HELLO WORLD! richtet sich an Musikerinnen und Musiker und Menschen aus aller Welt, die geflüchtet sind sowie an diejenigen, die hier schon länger oder immer leben. Bei der Session trifft West auf Ost und Nord auf Süd. Gemeinsames Musizieren verbindet und trägt zur Völkerverständigung bei. Instrumente sind teilweise vorhanden.
Montag | 23. November | 19.00 Uhr
SerrahnEINS e. V. Zentrum für Kultur und Gesellschaft | Serrahnstraße 1 | 21029 Hamburg
Holocaust? Nicht schon wieder, das war in der Schule schon oft genug Thema! Das ist in etwa die erste Reaktion der Jugendtheatergruppe der Berliner Schaubühne, als klar wird, dass als nächstes die Kinderoper „Brundibar“ gespielt werden soll. Und tatsächlich sind die Hintergründe um „Brundibar“, uraufgeführt im Ghetto Theresienstadt, missbraucht von den Nazis, um der Welt gegenüber die Zustände im KZ zu verschleiern, keine leichte Kost. Als die Jugendlichen nach Theresienstadt reisen, geraten sie dort aber doch langsam in den Sog der Geschichte, die sie bisher so herzlich wenig interessierte. Das liegt nicht zuletzt an ihrer Mitreisenden Greta Klingsberg, einer charismatischen alten Dame aus Israel, die eine der wenigen Überlebenden der Originalbesetzung von „Brundibar“ ist und den Jugendlichen die Scheu vor den Schrecken der Vergangenheit nimmt. Schnell wird klar, dass sie mehr verbindet, als ihnen bewusst war, und zur „Brundibar“-Premiere in der Schaubühne sitzt Greta im Publikum, tief berührt von der Darstellung ihrer Freunde in „ihrem“ Stück.
Donnerstag | 26. November | 19.00 Uhr
SerrahnEINS e. V. Zentrum für Kultur und Gesellschaft | Serrahnstraße 1 | 21029 Hamburg
Der Film erzählt die wahre Geschichte von Nicolas Winton (gespielt von dem großartigen Antony Hopkins), der kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges 669 jüdische Kinder aus der Tschechoslowakei rettete, indem er Kindertransporte per Bahn nach Großbritannien organisierte. Wintons Mut steht beispielhaft für viele jüdische und nichtjüdische Menschen, die in Organisationen oder auch privat in grausamsten Zeiten ihre Kraft einsetzten um tausende Leben zu retten.
Die Wochen des Gedenkens werden jährlich von der „AG Gedenken“ vorbereitet. Diese ist entstanden aus dem „Rathausbündnis gegen Rechts“ in Bergedorf und arbeitet seit 2010 in Hamburg-Bergedorf. Es beteiligen sich ehrenamtlich jeweils VertreterInnen aus Parteien, Schulen, Kultureinrichtungen, der evangelischen Kirche, der Gedenkstätte Neuengamme sowie Einzelpersonen.
Der Schwerpunkt liegt in der Vorbereitung und Gestaltung der jährlichen „Wochen des Gedenkens“, die zwischen Ende Oktober bis Mitte November in Bergedorf stattfindetn Dazu gehört eine Gedenkstunde mit Kranzniederlegungen und Ansprachen am Mahnmal für die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der NS- Zeit am Kampdeich. Über zwei Wochen lang finden verschiedene kulturelle und politische Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten in Bergedorf statt.
Darüber hinaus organisiert die Arbeitsgruppe zu bestimmten Jahrestagen Veranstaltungen wie eine Gedenkstunde zum Kriegsende am 3. Mai 1945 oder auf dem Bergedorfer Friedhof zum Jahrestag des deutschen Angriffs auf die Länder der ehemaligen Sowjetunion.
Wir freuen uns auch, wenn Sie Interesse haben, in der AG Gedenken mitzuarbeiten. Dazu senden Sie uns bitte eine Mail an: